Donnerstag, 11.08.2005

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel

Ist dieser Spruch von Sepp Herberger auch auf Triathlon übertragbar? Diese Frage stelle ich mir seit ein paar Tagen, geht es doch darum, nach meiner zweieinhalb Wochen dauernden Pause, wieder in Tritt zu kommen. Für mich ein Problem, bin ich doch kein Bewegungsjunkie. Ganz ehrlich, ich bin auch ohne Training glücklich. Vielmehr arbeite, entschuldigung, trainiere ich sehr zielgerichtet. Ohne Wettkampf im Blick, puller ich nur so vor mich hin, gehe lieber in die Kneipe um die Ecke, als durch den Wald oder um die Alster zu joggen.



Vor diesem Hintergrund hatte der heutige Abend – ich schreibe diese Zeilen am Mittwoch Abend – eine immens wichtige Bedeutung für mich. Denn heute wollte ich meine Mittwoch-Abend-Langer-Lauf-Serie wieder aufnehmen.
Würde ich dies schaffen und nicht ob des bescheidenen Wetters kneifen, hatte ich mir gute Aussichten für meinen weiteren Trainingsrhythmus ausgerechnet. Ehrlich gesagt habe ich den halben Tag an meiner Moral gezweifelt, bis mir mit meinem lieben Kollegen Martin ein Engel zur Seite sprang. Martin, von Hause aus Kiter, Surfer und Kletterer der bisher immer nur eine Stunde lang gejoggt war, wollte mal sehen ob er auch zwei Stunden schaffen würde. Für mich eine tolle Sache, hatte ich doch endlich mal einen Trainingspartner. Gemeinhin bin ich hier in Hamburg nämlich eine One-Man-Show.

Gesagt getan. Um kurz vor sieben Uhr Treffen an der Alterperle und los ging’s. Erst Alster, dann Leinpfad, vorbei am Mühlenteich und immer an der Tarpenbek entlang hoch zum Flughafen. Ich liebe diese Wendepunktstrecke. Denn eine Stunde oder eine Stunde und zehn Minuten schaffe ich immer. Und dann muss ich halt zurück – es hilft ja nix.
An dieser Stelle nun möchte ich Martin ein großes Kompliment machen. Mal eben so einen Zwei-Stunden-Lauf hinzimmern, das macht nicht jeder. Und das schafft auch nicht jeder. Martin hat, zumindest bis 1:40 Stunden, ein wirklich gutes Tempo hingelegt. Die verbleibenden zwanzig Minuten mussten wir dann jedoch stückchenweise laufen. Trotzdem: meine Hochachtung.
Ganz davon ab ist mein Startschuss also wieder gefallen. Der erste lange Lauf wieder abgehakt. Ich hoffe, von nun an wird es wieder ein Selbstgänger.
Warum am Mittwoch Abend? Nun, laufe ich den Langen am Wochenende, macht er mir die Chance auf lange Radausfahrten zunichte.

Jetzt bin ich also ganz gut in die Woche gekommen.
Montag: 14 KM gelaufen
Dienstag: 3,5 geschwommen; 77 Rad
Mittwoch: 24 gelaufen. Knapp sieben Stunden bis zum Mittwoch ist für mich mehr als gut.

Die Radausfahrt am Dienstag Abend war im übrigen kein Spaß. Der Deich an der Süderelbe total leer. Wind, Kälte, alles trist.
Dann aber eine Abwechslung in Form eines anderen Radlers vor mir. Er (war eine Sie) hatte wenig Lust auf fahren. Schon von weitem konnte ich an der Körpersprache sehen: null Motivation.
Mir ist natürlich – wie immer beim Sporttreiben – jede Abwechslung recht. Also quatsche ich beim Training (ganz anders als in der Disco) fast Jeden an. Und was erzählt mir die junge Frau? „Jo, ich habe letzten Sonntag über die 100 Kilometerstrecke die Frauenwertung bei den Cyclassics gewonnen. Bin da einen 40er Schnitt gefahren“, meint sie mit einem freudigen Strahlen auf dem Gesicht. „Jo“, denke ich auch, „da kann ich mich ja auf was gefasst waren. Wäre ich doch auf hundert Meter Abstand geblieben.“



Aber es kommt, wie es eigentlich immer läuft. Wer eine Pfund drauf hat, der muss sich nicht ständig messen (siehe den Eintrag von Gestern). Meine Radbegleitung wollte jedenfalls nur locker fahren und war ebenso froh wie ich, dass die Einsamkeit des Deiches für ein Paar Minuten der Vergangenheit anhörte.
Während der nächsten Kilometer erfuhr ich auch warum sie die Cyclassics gewinnen konnte. Nein, sie macht nicht 10000 Kilometer auf dem Rad pro Saison. Vielmehr auf der Ruder-Regatta-Strecke. Mit 22 Lenzen hat sie Weltmeisterschaftsniveau, gewinnt, wenn sie gesund ist, ihre Rennen nach Belieben. Radfahren ist bei Ihr eine Trainingsalternative. Mehr zu diesem Thema kann ich nach dem Wochenende erzählen. Am Freitag steht unsere Trainingsverabredung auf 16 Uhr. Schön. Wieder der Einsamkeit enfliehen.

Ich habe mich dann letztlich doch noch weitere eineinhalb Stunden allein gegen den Wind quälen müssen. Super, nach 77 Kilometern auf dem platten Land mit einem 27er Schnitt zu Hause – meine Freunde im Bergischen Land lachen mich aus, wenn ich das erzähle.
Wie auch immer, ich fand es anstrengend. Und mir war kalt. Was half: eine riesige Tasse mit Caro-Kaffee, Honig und Milch – und Kuchen. Vor der Zusammenfassung der Leichtathletik-WM bin ich dann eingeschlafen – im Sessel.

Herzlichst, mathias

Kommentare und Trackbacks

Stefanie Essing kommentiert:

Lieber Mathias,

von mir auch die herzlichsten Glückwünsche! Hatte deine Quali schon live im Internet verfolgt.
Und jetzt werde ich diese Seite regelmäßig verfolgen. Super Artikel und tolle Fotos ...
Am besten besten gefällt mir das, als du grad aus dem Wasser kommst - was für ein Mann, mit einem begnadeten Körper!

Alles Gute weiterhin,
viele Grüße aus München,
Steffi
Stefanie Essing | 11.08.2005 - 21:11

tommi kommentiert:

ok - ich will nie wieder irgendwelche jammereien über nicht funktionierende beziehungen hören. junge, sie liegen dir zu füßen :-)

ich setze ab sofort bier und chips ab...
tommi | 12.08.2005 - 13:16

der bizzige jochen kommentiert:

ja in der tat: hut ab, mathes, wahnsinns-projekt! ich drücke dir die daumen und verfolge natürlich alles, was hier steht. tolle texte, tolle bilder. wenn ich dich so sehe, bekomme ich doch echte komplexe (seitdem ich nicht mehr rauche, breitet sich mein schwimmring immer weiter aus. ich arbeite gegen ihn. nicht an der alster, nicht auf hawaii, sondern im kölner blücherpark. allein die erfolge sind dürftig. bis die tage...
der bizzige jochen | 12.08.2005 - 23:51

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