Montag, 24.10.2005

Tschüss und Auf Wiedersehen

Das ist er nun, mein letzter Weblog-Eintrag auf dieser Seite. Die "Road to Kona", mein Weg nach Hawaii, hat eine Kurve um 180 Grad genommen und ich sitze wieder im Hamburger Uhlenhorster Weg. Hier endet, was vor zweieinhalb Monaten begann. Zweieinhalb Monate, in denen ich fast täglich über mein Training für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii berichtet habe. Zweieinhalb Monate, in denen ich über Lust und Frust, Spaß und Leid, Motivation und Verzweiflung während der Vorbereitung geschrieben habe. Zweieinhalb Monate, die nicht nur mir Spaß und neue Erfahrungen gebracht haben, sondern hoffentlich auch dem einen oder anderen Leser.



Ein herzliches "Tschüss" an alle Weblog-Leser

Vom Jet-lag aus dem Bett getrieben, schreibe ich diese Zeilen um 7 Uhr in der Früh. Draußen ist es stock dunkel und es regnet. Kona und Hawaii scheinen so weit weg wie es nur geht. Nun ja, einmal um die Welt ist ja auch kein Pappenstiel. Eine Woche ist es her, dass ich die Ziellinie am Pier von Kona nach 10:24:04 Stunden als 581. überquert habe. Zeit, wenn auch nicht genug, um in Ruhe über alles nachzudenken.

Immer noch bin ich enttäuscht, dass es mit meiner 10-Stunden-Schallmauer nicht geklappt hat. Vor dem Hintergrund meiner erhöhten (38.1) Temperatur, mit der ich in den Wettkampf gegangen bin, hat sich mittlerweile bei mir jedoch ein Gefühl der Zufriedenheit durchgesetzt. Unter den (leider nicht optimalen) Voraussetzungen, habe ich dass Beste gegeben, und mein Trotzkopf sagt ständig, dass mir das erst mal einer nachmachen soll. (Der geneigte Leser merkt schon, es wird in meinem Hirnstübchen immer noch kräftig diskutiert).

Wie auch immer, vorbei ist vorbei. Was bleibt unter dem Strich? Ein gutes Gefühl. Zu aller erst fällt mir auf, dass ich, im Gegensatz zu früher, immer noch motiviert bin und (wenn auch auf niedriegerem Niveau) weiter trainieren werde (früher habe ich nach einem solchen Wettkampf schon mal drei Jahre pausiert und ausschließlich den Golfschläger geschwungen). Wäre doch schade, die hart erarbeitete Form so einfach verkommen zu lassen.

Darüber hinaus haben mir auf Hawaii einige Leute von dem Ironman in Kanada vorgeschwärmt. Das würde mich sehr interessieren. Ich könnte mir (zumindest im Moment) gut vorstellen, dort teilzunehmen, wenn auch auf nicht höchstmöglichen Leistungsniveau. Ich könnte einfach nach dem Motto "Dabei sein ist Alles" mitmachen und das Ganze in einen schönen dreiwöchigen Urlaub einbauen. Hört sich doch super an. Lars und Thomas haben auch schon Interesse bekundet. Thomas ist von Hawaii sogar dermaßen inspiriert zurückgekehrt, dass er nun für einen spätere Teilnahme an einem Ironman trainiert – er, der bei seiner Ankunft in Kona noch eine Packung Zigaretten dabei hatte.
Für das Jahr 2007 haben dann mein Bruder Jörg und meine Sponsor Uli Bongen angekündigt eine Langdistanz zu bestreiten, und anschließend nach Hawaii zu reisen, um sich das Spektakel dort einmal anzuschauen. Das wäre wieder mal ein schöner Anlass, um aufs Ganze zu gehen. Pläne, Pläne, Pläne – och, planen schadet ja nichts. Kann man ja mal so stehen lassen. (Übrigens. Wer Lust hat: mueller@yacht.de, oder aber - eher selten - mmmathiasmueller@t-online.de)

Das Motto für den bevorstehenden November kann dabei jedoch nur lauten: Füße hoch und Pizzaservice. So wenig Sport wie möglich – oder nötig. Ich denke da an eine Runde Alster pro Woche. Was mich derzeit am meisten interessieren würde ist, ob es mir gelingen würde, über den Winter an meiner Schwimmtechnik zu arbeiten. Es kann doch nicht sein, dass ich immer so weit hinten aus dem Wasser komme. Das wäre zumindest ein schönes Ziel für die nächste Saison. Aber wie gesagt, alles Schnee von morgen.

Zurück zum Weblog an sich: Ich hoffe, ich konnte mit meinen Beiträgen vermitteln, dass man in der Vorbereitung auf einen Langstrecken-Triathlon sehr wohl viel Spaß haben kann, und nicht unbedingt sein Leben in totaler Askese fristen muss. Im Gegenteil, nur wer auch neben dem Training noch Spaß hat, erhält sich die Motivation für das zum Teil harte Trainingsprogramm aufrecht. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass es nicht schlimm ist, wenn die eine oder andere Trainingseinheit ausfällt, weil man sich dem Freizeitprogramm widmet. Klar, eine ordentliche Vorbereitung ist Pflicht wenn man einen Ironman bestreiten möchte. Wenn man sich jedoch vor Augen führt, dass es letztlich nicht die große Rolle spielt, ob man fünf Minuten schneller oder langsamer ins Ziel kommt, oder wenn man bedenkt (wie bei mir passiert), dass eine gute Zeit noch von ganz anderen Faktoren abhängen kann, dann sollte man sich eine gewisse Lässigkeit zugestehen.

Um noch einmal die Eltern meines lieben Freundes Männi Szelersky anzusprechen, die in einem Kommentar fragten, ob ich ihren Sohn nicht vielleicht auch zum Ironman motivieren oder führen könnte: Mehr denn je bin ich nach meinem Besuch in Kona der Meinung, dass jeder einen solchen Wettkampf bestreiten kann. Jeder der will! Mein Bruder Stefan hat dies vor acht Jahren bewiesen, als er, ausdauersporttechnisch unterentwickelt, innerhalb von eineinhalb Jahren zum Eisenmann wurde und mittlerweile, als zweifacher Ironman, schon mehr Marathonläufe bestritten hat, als ich. Mein Freund Udo hat es bewiesen, der zwar seit vielen Jahren Triathlet ist, dem aber viele Bekannte eine Langstrecke in unter 11:30 Stunden (wie er sie im Juli in Roth abgeliefert hat) nicht zugetraut haben. Und Thomas, mein rauchender Golflehrer-Freund, wird der Nächste sein, der es beweist: Wille ist Alles!

Für Männi wird es eine Kleinigkeit sein, sich so einen Wettkampf unter den Nagel zu reißen, da bin ich sicher. Nur Wollen muss er wollen.
An alle diejenigen Leser, die noch Zweifel haben: Thomas und ich haben abends auf der Finishline-Party einen 80 Jahre alten Herren über die Ziellinie in Kona laufen sehen. Außerdem einige Athleten, die über 60 und 70 Jahre alte waren. Von den Körperbehinderten Athleten ganz zu schweigen. Wer will mir da noch erzählen, dass jemand um die 30 Jahre dies nicht schaffen könne?!
Und die Belohnung ist riesig! "You are an Ironman!!", hat der Sprecher bei jedem Atleten, der spät in der Nacht über die Zeillinie am Pier gelaufen ist, gerufen. Ich schwöre, dass hat die Zuschauer dermaßen bewegt – Thomas hatte Tränen in den Augen! (ich auch)

Also liebe Leute. In doppeltem Sinne: Ran an den Speck. Das Training für einen solchen Wettkampf ist zwar mitunter anstrengend, gibt aber letztlich ein sehr gutes, befriedigendes Gefühl. Das die längst zu eng gewordenen Jeans und T-Shirts, die im Kleiderschrank vor sich hin gammeln, wieder passen, ist dazu ein schöner Begleitumstand. Ganz davon ab, - es muss ja nicht gleich ein Langstreckentriathlon sein. Überall in Deutschland werden sogenannte Jedermann- oder auch Sprint-Triathlons angeboten, bei denen man 500 Meter Schwimmen mit 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen verbindet – ein super Einstieg, der nicht minder Spaß macht.

So, das war es jetzt. Ich bin mir sicher, der Weblog wird mir fehlen. Andererseits freue ich mich über ein Stück wieder gewonnener Freiheit. Mal sehen, was ich mit der frei werdenen Zeit anfange. Lesen? Andere Dinge schreiben? Trainieren? Faulenzen? Keine Ahnung. Sollte einer der Weblog-Leser mal Lust auf eine gemeinsame Alsterrunde haben, schreibt einfach eine Mail. Freue mich immer über eine schöne Plauderrunde.

Ach herrlich, jetzt kann ich aufhören, und kann doch nicht wirklich. Abschied nehmen fällt schwer. Oder wie hat Katja Ebstein gesungen: Abschied ist ein bißchen wie sterben (war doch die Ebstein, oder?!)
Liebe Leute, ich wünsche allen ein schönes Leben! Viel Spaß auf Eurer eigenen Road to Kona, wenn Eure Ziele auch andere Namen tragen. Die Hawaiianer sagen so etwas wie "Pa`a", was so viel bedeutet wie "Geh voran, verfolge Deine Ziele, lass Dich nicht von Deinem Weg abbringen".
In diesem Sinne!!

Herzlichst, mathias



Tschüss und Auf Wiedersehen – vielleicht ja in Kona?!

Kommentare und Trackbacks

männi kommentiert:

mensch mattes,
das war ja herzergreifend.
dein weblog wird uns fehlen!
beste grüße und dir auch alles gute für deine zukünftigen ziele,
dein freund männi
männi | 24.10.2005 - 12:49

Enno kommentiert:

Moin Mathias!
Willkommen zurück!
Also, wenn Du wirklich bei diesem Schietwetter zum Laufen zu bringen bist: Ich starte bei mir (Schlüterstr. = Uni/Grindel) in ca einer Std. an die Außenalster für mind. 2 Runden. Werde rechtsrum laufen (also gg. Uhrzeigersinn). Vielleicht liest Du das ja noch rechtzeitig und hast Lust, mir entgegen zu laufen. Ich würde mich freuen!
Alohauaha, ENNO
Enno | 24.10.2005 - 15:52

Mathias kommentiert:

Enno,
also diese Woche ist bei mir nicht viel mit Sport. Aber schreib doch mal ne Mail, für spätere Laufrunden.
Viele Grüße und viel Spaß im Regen, mathias
Mathias | 24.10.2005 - 17:11

Dominik kommentiert:

Schade, war ein schöner Blog.
Habe ihn durch Google gefunden.
Mach doch bitte weiter!
Dominik | 24.10.2005 - 21:39

Mathias kommentiert:

Dominik,
vielen Dank für den Kommentar. Freut mich sehr, dass es Dir gefallen hat. Aber irgendwann muss wohl Schluss sein. Worüber soll ich denn zum Beispiel im November schreiben? Kinobesuche, Parties und Alkoholexzesse? Nein im Ernst, - fürs Erste ist nun mal Ruhe angesagt. Wobei ich mir schon einen Wettkampf für 2006 ins Auge gefasst habe. Mal sehen. Einstweilen, noch einmal Danke für Dein Dabeisein. Viele Grüße, mathias
Mathias | 25.10.2005 - 09:10

Björn kommentiert:

Hallo Matthias,

ich habe Deine Vorbereitung in diesem Blog, das Rennen via Livestream und Deine Ergebnisse/Erlebnisse mit Spannung verfolgt. Dazu meinen herzlichen Glückwunsch! Das war für mich alles sehr motivierend, und ich hoffe, dass die Motivation über den Winter hält. Dann geht´s im Hamburger Stadtpark wieder los und hört hoffentlich bei einer Mitteldistanz im Spätsommer noch lange nicht auf. Dein "Werdegang" eines berufstätigen Ironman wirkt auf diesem sehr anspornend: Es ist ja doch irgendwie alles zu schaffen. Ich werde in den Vierlanden drauf achten, ob Du tatsächlich weitermachst, wenn eine F10 an mir vorbeifliegt!

Alles Gute!
Björn | 25.10.2005 - 12:34

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